Selbstbild versus Fremdbild


Viele Menschen haben ein verzehrtes Bild von der eigenen Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit und von der Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit durch andere Personen. Dieser Umstand kann sich sehr vielfältig äußern. Es gibt Menschen, die sich selbst als sehr hilfsbereit bezeichnen, von anderen allerdings als aufdringlich empfunden werden. Genauso gut gibt es Menschen, die glauben sehr humorvoll zu sein, andere bezeichnen sie jedoch als ungehobelt und beleidigend. Oft kümmert sich jemand liebevoll und aufopfernd um eine nahestehende Person und wird aber als besitzergreifend und aufdringlich empfunden.

Diese Empfindungen sind, je nach Rolle sehr unterschiedlich. Eine gewissenhafte Sachbearbeiterin wird vielleicht privat als besonders penibel empfunden, die Chefin eines Unternehmens kompetent und stark, zuhause allerdings herrschsüchtig und rechthaberisch.

Je mehr wir immer wir selbst sind, desto geringer ist der empfundene Unterschied in unseren Rollen!
Je weniger ich mich in einer gewissen Rolle verstelle, desto authentischer und ehrlicher werde ich empfunden.

Es ist absolut nicht erstrebenswert sich immer seinen angedachten Rollen konform zu verhalten. In diesem Fall würde man sich, wie eine Fahne im Wind drehen und immer nur so verhalten, wie es das jeweilige Umfeld gerade erwartet. Fazit ist, dass die angestammte ICH-Rolle auf der Strecke bleibt. Jede Rolle, die vernachlässigt wird ruft sich irgendwann, sehr vehement, in Erinnerung. Vernachlässige ich zum Beispiel meine eigenen Bedürfnisse, so wird mich das über kurz oder lang unweigerlich krank machen.

Das soll jetzt kein Plädoyer dafür sein, als grenzenloser Egoist durch das Leben zu laufen. Vielmehr soll es der Bewusstwerdung dienen, wie man von anderen empfunden wird. Die Entscheidung, ob man sich „verbiegen“ will oder nicht kann man dann noch immer fällen. In diesem Fall hat man allerdings die Möglichkeit erklärend einzuwirken und auf Verständnis zu treffen. Anders ausgedrückt: den goldenen Mittelweg zwischen purem Egoismus und Fahne im Wind – „gesunder Egoismus“.

„Gesunder Egoismus“ bedeutet seiner ICH-Rolle den gleichen Stellenwert zuzugestehen,
den jede andere „wichtige“ Rolle auch inne hat!

z.B.: optimales Gespräch:
Mann: „Immer wenn du von deiner Arbeit nachhause kommst bist du sehr gereizt, schnippisch und schlecht aufgelegt. Wo ich dir doch so viel zu erzählen habe.“
Frau: „Entschuldige, das ist mir jetzt gerade bewusst geworden. Ich muss erst eine halbe Stunde „runterkommen“, dann fühle ich mich erst zuhause. Es tut mir leid, wenn du das spüren musst. Hast du ein Problem damit, wenn du mir ab jetzt nach dem Heimkommen eine kleine Auszeit gibst?“
Mann: „Okay, dann wird ich dir immer erst nach einer halben Stunde erzählen was mich heute bewegt hat“.

Warum sind solche Gespräche so selten?
Weshalb gehen wir auf die Empfindungen unserer Mitmenschen so wenig ein?

Einfach, weil es uns oftmals nicht bewusst ist wie wir auf sie wirken!
Unser Fremdbild wird oft anders empfunden als unser Selbstbild.

Eine Möglichkeit der Bewusstmachung unseres Fremdbildes basiert auf dem Modell des JOHARI-Fensters. Das JOHARI-Fenster wurde 1955 von Josef Luft und HARry Ingham entwickelt. (JO-HARI)

Es teilt unsere gesamte Persönlichkeit in 4 Bereiche:

Mir bekannt – Dir bekannt
Mir bekannt - Dir unbekannt
Mir unbekannt – Dir bekannt
Beiden unbekannt


Bild "johari_600_450.jpg"Die originale Darstellungsform ist ein Quadrat mit 4 Teilbereichen.

Durch die Darstellung mit Kreisen kann jedoch besser verdeutlicht werden, wie groß welcher Anteil wirklich ist.

Ein Mensch, der weitestgehend authentisch ist und sich nicht rollenkonform verstellt wird ein großes Überschneidungsfeld „Uns bekannt“ haben.

Bei Menschen, die besonders aufmerksam und einfühlsam sind wird das Feld „Dir bekannt“ recht klein sein, während „Uns bekannt“ größer wird.

Es lohnt sich auf jeden Fall über diese Methodik, in Bezug auf sich selbst, etwas nachzudenken. Das Idealbild wäre, wenn „Mir bekannt“ möglichst groß ist und die beiden, „dir bekannt“ und „beiden unbekannt“ möglichst klein. Dabei wäre „uns bekannt“ größer als „dir bekannt“.

Diesen Zustand erreicht man durch ein sehr bewusstes Leben und Eingehen auf seine Mitmenschen. Es gibt aber auch eine Methode um die Bewusstwerdung zu beschleunigen. Dazu brauchst du eine möglichst neutrale Vertrauensperson, die andere über dich interviewt. Dadurch wird verhindert Schmeicheleien und Gefälligkeiten einzusammeln. Diese Vertrauensperson fragt alle Menschen deines Umfeldes über deine Stärken und Schwächen beziehungsweise Verbesserungspotentiale und listet diese anonymisiert auf. Du musst dich nur noch mit der Liste zurückziehen und sie völlig neutral und wertfrei auf dich wirken lassen.

Es werden Punkte enthalten sein, die dir gefallen, die du genauso siehst, es werden aber auch Punkte enthalten sein, die für dich neu sind. Die dir vielleicht nicht so gut gefallen. Jetzt kannst du selbst entscheiden, ob du diese, für dich, bearbeiten willst oder nicht. Aber auch wenn du die, für dich unangenehmen Punkte ignorierest, sie sind dir immerhin bewusst gemacht geworden! Die Empfindung anderer Menschen kannst du nämlich nicht ändern, lediglich den Reiz, der eine bestimmte Empfindung auslöst.

Es ist immer besser sich gewisser Thematiken bewusst zu sein, denn nur dadurch bekommt man die Wahl gegebenenfalls etwas zu ändern. Schlimm ist es mit einem getrübten Bewusstsein herumzulaufen und sich ständig schlecht behandelt vorzukommen.

Das ist einer der vielen Wege um zu mehr Selbst-Bewusst-Sein zu kommen!



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