Start in die zweite Saison


Das Ende der ersten Saison meiner Golfer-Karriere bestand aus einer Menge an Vorsätzen was ich nicht alles über die Wintermonate machen wollte. Es gibt schließlich unzählige Möglichkeiten für effektives Trockentraining.

Ein wesentlicher Bestandteil meines geplanten Trockentrainings war das Erlernen des richtigen Bewegungsablaufes eines optimalen Schwungs. Dazu muss man den Schwung in seine einzelnen Bestandteile zerlegen und jede einzelne Phase immer und immer wieder wiederholen. Die Faustregel besagt, dass ein Bewegungsablauf nach ca. 1.800 Wiederholungen auto-matisiert wird. Die erlernte Bewegung läuft danach ab, ohne bewusst zu denken, also völlig automatisch.

Als weitere Trockeneinheit sah ich mich nach geeigneten Heimabschlagmatten um. Diese praktischen Trainingshilfen kann man zuhause aufstellen, an den PC anschließen und so das richtige Ballgefühl entwickeln. Mit dem Ziel jeden Ball „pfeifen“ zu lassen.

Sozusagen als „Darüberstreuer“ würde ich den ganzen Winter Bücher und DVDs konsumieren um die Theorie ordentlich zu visionalisieren.

Genau so sahen meine Vorsätze aus!

In die Realität habe ich überhaupt nichts umgesetzt. Fast überhaupt nichts, hätte mir das Christkind nicht ein Buch gebracht – „So spiele ich – Tiger Woods“. So hat das Christkind wenigstens zu meinem Visionalisierungsvorsatz beigetragen. Es ist ja doch nur der halbe Spaß, wenn man beim Spiel nicht das Rauschen der Blätter vernimmt, keine Vogerln zwitschern hört und kein grabendes Tier seine Spuren hinterlassen hat.

Dermaßen vorbereitet betrat ich also zu Beginn meiner zweiten Golfsaison, natürlich in Begleitung meiner Tochter, Katharina die Drivingrange. Mal sehen ob man über den Winter was verlernt hat.

Während ich mich ausgiebig aufwärmte, Arme kreisen schaut immer gut aus, stellte sich Katharina hin, teete auf, schwang durch und ließ den Ball schnurgerade fliegen. Ha, ich wusste es, man kann doch eine so oft wiederholte Bewegung einfach nicht verlernen. Offensichtlich hat unser Gehirn den Bewegungsablauf schon fix eingespeichert. Dieser Gedanke war sehr beruhigend. Nicht wieder von Vorne beginnen. Genug aufgewärmt, sonst ist Katharina mit dem Verschießen ihrer Bälle fertig bevor ich begonnen habe.

Aber wozu sollte ich ein Tee verwenden, auf jedem Loch darf man es sowieso nur einmal benutzen. Der erste, lässig aus dem Handgelenk, hingeworfene Ball verweigerte es beharrlich zu fliegen. Also noch mal das gleiche Spiel. Auch dieser und die nächsten Bälle kullerten, rollten, hopsten oder eierten zwischen mich und die 25 Meter Markierung, mal links, mal rechts, mal gar nicht. Mit jedem Versuch wuchs in mir das Gefühl des Hasses auf diesen verdammten kleinen Drecksball. Nicht das ich mich etwa ärgern würde, oh nein.

Womöglich sollte ich doch für den Beginn ein Tee verwenden. Rasch aus der Jacke raus, die Temperatur stieg schließlich innerhalb von 5 Minuten rapide an, sonst hätte ich wahrscheinlich nicht so geschwitzt. Aufgeteet – und –

„Lieber Gott, warum strafst du mich so?“ – Ich hörte eine innere Stimme – „Weil ich dich nicht mag!“.

Die nächste zwei Ballmünzen verwendete ich dazu mir Bälle zu holen und diese mit gezielt gedoppten Schlägen zu schlagen. Ja, doppen ist sehr, sehr wichtig. Sogar der berühmte Pro, David Leadbetter verkündete, wenn ein Ball im Fairwaysandbunker liegt, soll man ihn gezielt doppen, damit man eine flache Flugbahn erreicht und ordentlich Meter macht. Und genau das habe ich geübt.

„Papa, machen wir jetzt unser Saisonstartturnier?“ Sie hatte es nicht verges-sen. Ich hatte mit Katharina ausgemacht, dass wir eine Neunlochrunde gehen würden und der Sieger gewinnt eine Fußmassage. Natürlich nur aus Rücksicht auf meine Tochter entgegnete ich freundlich „Denkst du nicht dass es schon spät ist? Bist du gar nicht müde? Mama wird schon war-ten.“ Aber meine Tochter war an diesem Tag außerordentlich frisch und munter und gut gelaunt. Woher hat sie das nur?

Erster Abschlag, ich spielte zu Übungszwecken ohne Tee. Mist, zu kurz. „Papa, nennt man das Girly?“ grinste mich mein Kind an. Das bringt doch einen Golfer nicht aus der Ruhe. Konzentration, Schwung und ….

„Papa, gibt es dafür auch einen Namen?“ Mein Ball lag zwischenzeitlich am halben Weg zwischen Gelb und Rot. „Bitte störe mich nicht bei der Konzentration“, sei ruhig du freche Göre dachte ich insgeheim. Der dritte Schlag brachte mich endlich direkt neben die rote Markierung. „Papa, ich glaube das nennt man jetzt …… ein Zumpfi -hihi“. Jetzt langt es aber bald!

„Wollen wir aufhören, für heute?“ Aber Katharina war so richtig mit Eifer bei der Sache, dass ich ihr den Spaß nicht vermiesen wollte. Jetzt kann ich es ja getrost verraten, ich habe meine Tochter absichtlich gewinnen lassen. Ihre Anspielungen, wie „der war jetzt aber out“ oder „zu kurz“ oder „das fairway ist das mit dem kurzen Gras“ oder die Aussage „beim Probeschwung darf man den Ball nicht berühren“ überhörte ich höflich.

Fast hätte ich umgedacht, als mich mein eigen Fleisch und Blut aufforderte jetzt endlich mit Ernst an die Sache zu gehen. Kind – ich bin so ernst wie nie!

Es war gar nicht so einfach die Fassung zu behalten und die Bälle absichtlich zu toppen beziehungsweise bewusst in jeden Sandbunker zu spielen.

Aber was tut man schließlich nicht alles für sein einziges Kind.




moziloCMS 1.11.2 | Sitemap | Letzte Änderung: Nimm das Gefühl mit (17.04.2017, 09:45:34)