Was ist Stableford?


Das Zählspiel nach Stableford wurde 1898 von Dr. Frank Stableford erfunden. Seit 1968 wurde es offiziell in die Golfregeln aufgenommen wurde. Noch heute bringt es genügend Verwirrung in die Köpfe von Anfängern.

Jedes Jahr im Frühjahr und Herbst gibt es, bei meinem Brötchengeber, ein firmeninternes Turnier. Jeder Golfspieler mit gültiger Mitgliedschaft ist berechtigt daran teilzunehmen. Wir haben etwa zweihundert Golfer im Konzern und ich zähle bereits zu den „Fortgeschrittenen“. Ein schönes Gefühl, zumal sich Anfänger Tipps und Ratschläge bei den „Alten“ ein-holen.

Ein beliebter Einstieg ist „Kannst Du mir sagen wie beim Firmenturnier gezählt wird beziehungsweise wie viele Schläge man brauchen darf?“

„Wichtig ist, dass Du Deinen Putter zu hause lassen kannst, weil wir spielen nach Stableford!“ ist eine beliebte Antwort. Wenige der etablierten Spieler nehmen sich gerne die Zeit für lästige ausführliche Erklärungen und verweisen deshalb gerne auf das Internet.

Da ich selbst, vor nicht all zu langer Zeit zu den Anfängern gehört habe und ebenso verunsichert war setze ich mich gerne hin und erkläre die Zählweise.

Einer meiner Kollegen erwies sich dabei besonders resistent gegen Erklärungen. Wir nennen ihn hier „Otto“.

Ich erklärte Otto das System etwa folgendermaßen: „Aufgrund Deines Handicaps und der Schwere des jeweiligen Golfplatzes bekommst Du für die Turnierrunde eine so genannte Vorgabe. Am einfachsten erfährst Du die Vorgabe im jeweiligen Klubsekretariat. Beispielsweise Du bekommst -46 Vorgabe, so bedeutet das, dass Du 46 Schläge mehr als Par brauchen darfst. Diese 46 Schläge werden auf alle 18 Löcher verteilt. Auf der Scorekarte ist bei jedem Loch der Parwert eingetragen und die Schwere des Loches von 1 bis 18. Wobei das Loch mit der Eins das schwerste Loch ist und das mit der Achtzehn das Leichteste.
Nun beginnt man mit dem schwersten Loch und verteilt sein Handicap. Bei unserem Beispiel, bei -46 werden auf jedem Loch 2 Schläge zugefügt, das sind 36 zusätzliche Schläge, die restliche 10 kommen zu den 10 schwersten Löchern. Daraus resultiert, dass man 10 Löcher mit 3 Schläge Vorgabe spielen muss und 8 Löcher mit Vorgabe 2.
Erreicht man bei einem Loch die Schlagzahl, Par plus Vorgabe, so erhält man 2 Punkte. Ein Schlag mehr bedeutet 1 Punkt, ein Schlag weniger bedeutet 3 Punkte.“

Bis dato hat jeder die Erklärung verstanden. Otto nickte zufrieden. Offenbar hat er meine Ausführung auf Anhieb verstanden. Ohne nachzufragen bedankte er sich und zog von dannen.

Unser Firmenturnier fand, einige Tage darauf  planungsgemäß statt. Wir starteten um 14 Uhr mit Kanonenstart. Um 18.30 trafen die ersten Flights im Klubhaus ein. Das Restaurant füllte sich bis zirka 19.15. Gute Stimmung machte sich breit, aber langsam meldete sich bei allen Anwesenden der Hunger und die gute Stimmung schlug in Unruhe um.

Wann beginnt endlich die Siegerehrung?

Es ist mittlerweile 20 Uhr geworden. Die Stimmung beginnt langsam, aber sicher immer unruhiger zu werden. Die Dunkelheit breitet sich über dem Golfplatz aus. Fledermäuse ziehen lautlos ihre Kreise über den Teichen. Das Buffet wird zum dritten Mal aufgewärmt. Der Flight mit Otto fehlt noch immer.

Die ersten Spekulationen werden laut. „Die sind wahrscheinlich schon nach hause gefahren“, „Sind die überhaupt gestartet?“, „Die haben wir doch auf der Vier überholt“, „Hoffentlich ist ihnen nichts passiert“ und so weiter. Die wildesten Gerüchte machten die Runde.

Wo ist Otto?

Kurz nach 21.30 Uhr, nach über siebeneinhalb Stunden Spielzeit erreicht Otto mit seinem Flight das Klubhaus. Alle sichtlich gut gelaunt, aber kom-plett ermattet.

„Wo seid ihr solange gewesen?“ war der einhellige Vorwurf der Kollegen-schaft, „Alle warten schon seit über drei Stunden auf euch“.

Otto verteidigte sich, „Als Anfänger braucht man halt etwas länger für 217 Schläge.“

Ruhe herrschte im Saal „217 Schläge! Wieso gerade 217?“

Otto hatte die Erklärung schnell zur Hand, „von 1 bis 18 ergibt zusammen gezählt 171 und ich habe 46 Vorgabe das ergibt in Summe 217 Schläge, die ich brauchen darf“.

Nach einer kurzen Gedenkminute brach der ganze Saal in heftiges Gelächter aus. Einigen Kollegen rannen vor lauter Lachen die Tränen über die Wangen, „Mit Handicap 9 darf ich als 180 Schläge machen!“

Otto stand mitten im Raum und blickte etwas hilflos in die grölende Menge. Als sich das Gelächter nach einigen Minuten langsam legte schoss Otto endgültig den Vogel ab, „Christian hat mir Stableford so erklärt!“.

Nun lachten wirklich alle Anwesenden, sogar der Kellner, der vor Lachen seit Tablett fallen ließ, sowie die Damen an der Rezeption. Wirklich alle.
Bis auf mich!

In diesem Moment fasste ich folgenden unabdingbaren Entschluss:

Nie wieder setze ich mich mit Anfängern zusammen und versuche etwas zu erklären. Nie, nie wieder!

Sollen sie doch im Internet nachsehen, da ist es sowieso besser erklärt.



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