Das "Schlägerraub-Turnier"


Meine Frau und meine Tochter spielen Golf aus Spaß. Das bedeutet ohne viel zu Üben. Zwei Jahre setzten sie aufgrund von gesundheitlichen Proble-men gänzlich aus. Ich hingegen genoss es jede meiner spärlichen freien Minuten Pitchen, Chippen und abschlagen zu üben. Meine Fortschritte konnten sich echt sehen lassen. Nicht das ich eingebildet wäre, aber wäre ich jünger so würde ich ernsthaft eine Karriere als Profigolfer überlegen.

Profi mit Handicap -39?

Eines schönen Nachmittages überredete ich mein Kind mich auf den Golfplatz zu begleiten. Als Anreiz bot ich ihr an ein privates Turnier zu spielen. Sie durfte mir auf neun Löchern, nach jedem gespielten Loch einen Schläger wegnehmen. Ich jedoch durfte maximal mit 9 Schlägern auf die Runde gehen.

Angesichts der Umstände konnte ich Katharina schnell begeistern die Herausforderung anzunehmen. Natürlich würde ich sie gewinnen lassen. Sein Kind bloß zu stellen ist ja schließlich nicht ehrenhaft. Noch dazu wo ich hervorragend in Form war.

Also gingen wir nach kurzem Einschlagen zum ersten Abschlag. Bei diesem Loch musste ich mich wahrlich nicht bemühen hinter meiner Tochter zu bleiben.
„Papa, stimmt es, dass dein Eisen 8 dein Lieblingseisen ist. Das triffst du so gut.“
Braves Kind, „Ja mit dem Eisen 8 kann ich am Besten umgehen.“
„Gut, dann gib es sofort her“.
So ein hinterhältiges weibliches Verhalten kann sie unmöglich von mir geerbt haben.

Das zweite Loch ging Dank meiner hervorragenden Puttingkünsten besser aus. Den Putter war ich danach auch los.

Beim dritten Loch nahm sie mir mein geliebtes Pitchingwedge weg. Was habe ich da nur für eine blöde Idee gehabt. Jetzt konnte ich ohne Pitching-wedge und Putter spielen. Mein Score spiegelte meine begrenzten Möglich-keiten und zunehmend meine Lust am Spiel. Katharina lief zur Höchstform auf. Hat sie heimlich im Garten geübt?

Das vierte Loch überschlug ich und musste meinen Ball aus hüfthohen Brennnesseln herausspielen. Da hatte ich mein Eisen 9 noch.

Mit jedem Loch wurden meine Möglichkeiten mehr eingeschränkt und mein Kind gehässiger. „Papa, so macht Golf spielen viel mehr Spaß und für dich ist es eine gute Übung!“

Mein liebes Töchterlein ließ mir für das letzte Loch,  welches zufällig das längste des Neunloch-Platzes ist, lediglich mein Sandwedge.

Katharina gewann mit einem lausigen Schlag. Gott sei Dank haben wir um nichts gewettet, sonst könnte ich wieder eine halbe Stunde ihre Füße massieren.

Zuhause angekommen verkündete meine Tochter umgehend ihren Triumph, „Ich hab unseren Wettstreit gewonnen!“

Meine Frau schmunzelte und bemerkte in den ihr eigenen trockenen Humor „Es wäre schon interessant wo Papa hinfährt, wenn es sagt er geht am Golfplatz üben und dann kann er es erst recht nicht.“

Genau das hab ich jetzt gebraucht!






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