Selbst- und Fremdanalyse


Langsam aber sicher neigt sich die dritte Saison dem Ende zu. Nach neun gespielten Turnieren und zwei Drivingrange Besuchen darf ich noch immer mein Handicap mit -39 verbuchen.

Das darf doch nicht wahr sein! Meine Schläge sind mittlerweilen ziemlich konstant, meine Längen ansehlich und meine Puttingkünste haben sich auch extrem verbessert.

Leider habe ich auf jeder Runde zwischen zwei und fünf Löcher dabei die so überhaupt nicht funktionieren. Meist sind dies die Löcher zwischen Loch 12 und Loch 17. Das frustrierende ist, dass ich jede Runde zwischen 28 und 34 Punkte beende und das mit bis zu 4 Löcher ohne Punkte.

Im statistischen Mittel liege ich also bei 31 Punkten auf 14 Löchern, das ergibt 2,2 Punkte pro Loch. Hochgerechnet auf 18 Löcher ergibt dies 39,8 Punkte.

Ich habe meine Spielstatistik lang und breit ausgewertet und analysiert. Tabellen geschrieben, wo alle Scores penibel eingetragen wurden, eine Puttstatistik geführt und mein kurzes Spiel ausgiebig von allen Seiten be-leuchtet. Es hilft alles nicht. Wo liegt der Hund begraben?

Eine Tabelle in der meine Längen verzeichnet sind habe ich mittlerweilen auch angelegt. Das ist besonders wichtig, denn wenn man weiß dass der Schlag mit dem Sechsereisen ein Länge von 148 Metern ergibt und vom Tee 160 Meter, dann kann man seine Rundenstrategie darauf aufbauen.

Vor jedem Turnier habe ich mich also hingesetzt, mir den Platz genau angesehen und meine Längen auf die einzelnen Löcher übertragen. Herausgekommen ist z.B. 1 Loch benötigt ein Sechsereisen für den Abschlag, 160 Meter, ein Sechsereisen vom Fairway, plus 148 Meter, ein Pitchingwedge, plus 90 Meter. Mit exakt 398 Meter müsste ich mitten am Grün liegen. Ein Putt und fertig. In Summe vier Schläge auf einem Par 4. Bei meinem Handicap bekäme ich auf den meisten Plätzen 4 Punkte für das Loch. Die genauere Untersuchung warum das nicht so ist hat ergeben das ich mich meist für einen Putt zum Vorlegen entscheide, natürlich nur aus Sicherheitsgründen und pro Loch einen Schlag durchführe der nicht ganz so geplant war.

Offensichtlich musste meine Spielanalyse noch etwas ausgefeilt werden. Deshalb wandte ich mich Hilfe und Rat suchend an eines der ältern Mitglieder in unserem Golfklub. Es war Anton. Anton spielte schon seit über 15 Jahren Golf und hatte Handicap -12.

Ich sprach Anton, wie zufällig, auf dem Puttingübungsplatz an. Nach kurzer Erklärung beschlossen wir uns in das Klubhaus zu setzen um die Diskussion bei einem Kaffee zu vertiefen. Zufällig hatte ich meine schriftlichen Analysen dabei.

Anton sah sich alles ganz genau an, stellte die eine und die andere Frage und vermittelte mir sich so richtig in die Thematik zu vertiefen.

Als ich das Gefühl hatte ihm all meine Gedankengänge ausführlich näher gebracht zu haben wollte ich wissen was ich unberücksichtigt lassen habe, beziehungsweise was ich denn verbessern könnte.

Lange blickte Anton auf meine Aufzeichnungen, er sah sich nochmals meine Tabellen an, dann nahm er eine Grafik zur Hand legte alle Papiere übereinander, jetzt fiel mir erstmals auf, das dies zirka 2 Zentimeter Papier sind, sah mir in die Auge und sprach: „Wie lange hast du dafür gebraucht?“.

Genau konnte ich es nicht sagen, aber es mussten etliche Stunden gewesen sein.

„Jetzt stell dir mal vor du hättest deine Zeit an Golfplatz verbracht, anstatt hinter deinem Computer, um all diesen Mist zu produzieren. Mit dem du nichts anderes machst als dein Manko an Übung zu dokumentieren. Ich trau mich wetten du hättest längst ein Handicap unter -30!“

Obwohl Anton recht hatte war dies unser erster und letzter gemeinsamer Kaffee. Seit diesem Tag schreibe ich mir nicht mal meinen Score auf einer Übungsrunde auf, wozu auch!

Bringt ja ohnedies nichts!




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