Gedankensplitter - Nachdenkliches



August 2011
Unterm Hund!

Während eines Auflugs auf den Großglockner musste ich folgendes Ereignis beobachten. Ein Mann geht mit zwei Hunden an der Leine. Eine Frau kommt ihm mit einem Hund an der Leine entgegen. Als beide ziemlich auf gleicher Höhe waren geht ein Hund des Mannes ziemlich agressiv auf den Hund der Frau los. Da beide angeleint waren haben sie sich nicht bekämpfen können.
Die Frau geht weiter als wäre nichts geschehen. Der Mann reißt den Hund zuerst zu Boden um ihn dann am Ohr nach oben zu zerren und anzuschreien. Der Hund schreit vor Schmerz und der Mann haut ihm auch noch mit der Faust voll auf den Schädel!
Traurig! Warum ist das passiert?
Hunde spüren die Unsicherheit ihres Führers. Ist der Hundeführer, als ranghöchster Anwesender, ängstlich, so muss das nächsthöhere Rudelmitglied eingreifen um das Rudel vor einer vermeintlichen Bedrohung zu schützen. Genau das hat der Rüde gemacht und wurde dafür schwer bestraft!
Schade, dass viele Menschen einen Hund halten und keinerlei Ahnung davon haben wie die Tiere von Natur aus programmiert sind. Hätte der beobachtete Mann die nötige Selbstsicherheit ausgestrahlt, dann wäre der Hund nicht veranlasst gewesen "sein" Rudel zu verteidigen. Den Hund kann man im Nachhinein bestrafen so viel man will, er kann es einfach nicht verstehen warum er geschlagen wird, weil er ein Rudeltier ist und dieses folgt instinktiven Regeln.


November 2010
Wie viel ist das Leben einer Maus wert?

Voriges Wochenende stellte Monika einen Karton mit Blumenzwiebel von der Terrasse in unseren Abstellraum. Da wir drei Katzen haben wunderte es uns nicht, dass der Karton sofort ihr Interesse erregte. Der Abstellraum wird ausschließlich für Überbekleidung und Schuhe verwendet und zählte bis dato nicht zu den bevorzugten Aufenthaltsort unserer Katzen.
Doch seit der Blumenzwiebel-Karton darin stand änderte sich dies. Drei Tage später bemerkte Monika eine unserer Katzen mit „Spielzeug“, doch dieses „Spielzeug“ stellte sich schnell als lebende Feldmaus heraus.
Unsere Katze, Minerva das Weibchen und geschickteste Jägerin, versteckte sich damit in Monikas Arbeitszimmer. Zu dritt gelang es uns sie zu fangen und die Maus zu retten. Dabei entkam uns allerdings die Maus und schlüpfte hinter ein Wandregal.
Wir hatten schon öfters Tiere, die unsere Katzen heimbrachten im Haus. Eine Eidechse konnten wir retten und im Garten entlassen, für ein Rotschwänzchen und ein junges Kaninchen war es leider zu spät. Also sollte auch die Maus gerettet werden. Eine Lebendfalle muss her, also Katzen raus und Türe zu!
Der Versuch eine Treppe aus Holz zu basteln und die Maus auf eine Wippe zu locken, mit der sie dann in einen Kübel mit glatten Wänden fällt, scheiterte. Dreimal lag die Wippe im Kübel, aber die Maus war weg. Also kaufte ich am nächsten Morgen eine Lebendfalle zum Preis von € 9.-.
Am Nachhauseweg dachte ich mir: „Wie viele Menschen würden es auf sich nehmen zirka 20km weit zu fahren um eine Lebendmausefalle um € 9.- zu kaufen, damit sie einer Maus das Leben retten können?“ und „Steht es uns Menschen überhaupt zu Tiere, die in unser Haus kommen, zu töten damit sie keinen „Schaden“ anrichten können?“. Ich bin der Überzeugung, dass das was sie uns in der Schule gelernt haben – Energie geht niemals verloren, sondern ändert nur ihren Zustand – stimmt. Das bedeutet aber auch, dass ich an Wiedergeburt glaube. Was wäre, wenn die Maus meine reinkarnierte Ur-Großmutter ist?
Würden Menschen tödliche Mäusefallen aufstellen, wenn sie wüssten, dass sie ihre verstorbenen Ahnen damit umbringen? In Thailand konnte ich beobachten, dass sich alle Menschen im Umkreis von Tempeln sehr achtsam bewegen, jeder Schritt wird bedächtig gesetzt. Bis mir wer erklärte, dass im Umkreis von Tempeln keinem Lebewesen Schaden zugefügt werden darf – es könnte immerhin ein reinkarnierter Ahne sein!
Eine Maus ist ein Lebewesen wie wir auch. Wo ist der Unterschied? Warum stellen wir Menschen uns darüber und wer gibt uns das Recht dazu? Eigentlich haben wir uns das Recht genommen, einfach weil wir stärker sind. Darf ich deswegen einen anderen Menschen erschlagen, nur weil ich stärker bin?
Streng genommen betrachtet haben wir Menschen uns überproportional vermehrt und dringen ständig weiter in den Lebensraum anderer Lebewesen vor. Eigentlich sollten wir dankbar dafür sein, dass uns die Natur ernährt.
Während ich diese Zeilen schrieb klappte die Falle in Monikas Arbeitszimmer zu. Unser Mäuschen lebt jetzt zwischen Laubhaufen und Kompost im Garten weiter.


August 2010
Am Flughafen

Als ich unsere Tochter vom Flughafen abholte musste ich folgende Szene miterleben.
Eine junge Familie, mit Reisegepäck, in der Ankunftshalle. Der Vater bemühte sich gerade einen Transferdienst nach Hause zu organisieren. Die Mutter stand neben dem Gepäck und hielt sich an einem Kinderwagen fest. Im Kinderwagen ein, geschätzt 2-3 Jahre altes Mädchen.
Offensichtlich ist die Familie gerade angekommen und hat sicherlich einige Zeit in einem Flugzeug verbracht. Dem kleinen Mädchen drängte es sichtlich nach Bewegung. Es kletterte aus dem Kinderwagen und begann die nähere Umgebung zu erkunden. Die Mutter, offensichtlich genervt, nahm das Kleinkind wortlos an beiden Händen und hob es zurück im den Kinderwagen.
Das Mädchen unternahm einen neuerlichen Fluchtversuch um ihren Bewegungsdrang zu stillen. Diesmal schaute ihr ihre Mama neuerlich wortlos zu und ließ sie ca. 4-5 Meter weit entkommen. Dann ging sie hin, nahm das Kind an einer Hand in die Höhe, setzte sie recht forsch in den Kinderwagen und befestigte das nunmehr weinende Kind mit einem Hosenträgergurt.
Das Mädchen weinte bitterlich und bäumte sich auf. Die Mutter lehnte am Kinderwagen und blickte demonstrativ in die andere Richtung, wortlos!
Sicherlich darf man allein aus dieser Szene nicht auf das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter schließen. Aber die Frage was das Kleinkind dadurch gelernt hat ist durchaus berechtigt.
Es wäre wirklich wünschenswert, wenn so manche Eltern einmal darüber nachdenken würden, was sie durch ihre Handlungsweise in ihrem Nachwuchs für Prägungen hinterlassen. Prägungen, die uns alle unser ganzes Leben unbewusst beeinflussen.
Wenn wir so mit unserem Nachwuchs umgehen, was erwarten wir dann letztlich von ihm?


Jänner 2010
Psychologisch bedenklich

Unlängst durfte ich erfahren, dass in einem österreichischen Konzern eine zusätzliche Mitarbeiterbeurteilung eingeführt wird. Es betrifft Mitarbeiter, die im Vertrieb tätig sind und einen Teil ihrer Entlohnung als Bonifikation, in Abhängigkeit der jeweiligen Zielerreichung, erhalten.
Die zusätzliche Mitarbeiterbeurteilung soll sich direkt auf das Ausmaß der Bonifikation auswirken und richtet sich nach dem Grad der Motivation. Im Konkreten bedeutet das, ist ein Mitarbeiter „motiviert“ so erhält er einen Abschlag von der Bonifikation, ist er „nachhaltig motiviert“ oder „vorbildlich motiviert“ so erhält er einen Aufschlag.

An und für sich nichts schlimmes, wäre da nicht das kleine Wörtchen „motiviert“!
Man stelle sich nur ein Mitarbeitergespräch vor: „Herr XY sie sind motiviert, deshalb müssen wir Ihnen was vom Gehalt abziehen!“

Dadurch bekommt „motiviert sein“ einen negativen Beigeschmack. Wer motiviert ist wird bestraft!
Demnächst kommt unsere Unterrichtsministerin auf eine kreative Idee. Lehrer: „Kinder ihr habt alle eure Hausübung vollkommen richtig gemacht – darum dürft ihr in der Pause den Sitzplatz nicht verlassen!“
Oder bei Eltern: „Tochter du warst echt brav – darum darfst du heute nicht fernsehen und bekommst Ausgangsverbot!“

Und das passiert in Österreich, dem Land in dem ein Sigmund Freud, ein Viktor Frankl und ein Alfred Adler ihre bedeutenden Werke der Psychotherapie verfasst haben. In einem Land, wo es mehr Hobbypsychologen als Bienenzüchter gibt.


Dezember 2009
Schweinegrippe

Das Jahr 2009 war geprägt von Meldungen über die Schweinegrippe. Die Medien überschlugen sich, tagtäglich konnte man mehr Horrormeldungen darüber lesen, hören und sehen. Ist ja ganz logisch, wer mehr tragisches zu berichten hat kann sein Medium besser verkaufen.
Der Durchschnittsmedienkonsument glaubt auch noch alles was so veröffentlicht wird. Muss ja stimmen, wenn´s in der Zeitung steht. Die wahren Hintergründe bleiben dabei meist verborgen beziehungsweise sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das Wesentliche ist das gute Geschäft mit der Angst. Wir wollen hier auch jedoch nicht auf Hintergründe eingehen, sondern einzig und allein eine Auswirkung davon betrachten.
Gerade mitten in der schlimmsten Zeit der Medienberichterstattung erzählte mir mein Freund, dass seine Freundin mit ihrem kranken Sohn beim Arzt war. Der Arzt diagnostizierte sofort: „Das ist die neue Grippe!“.
Am Nachhauseweg sagte das 9-jährige Kind: „Ich bin froh nur die „neue Grippe“ zu haben, weil mit der „Schweinegrippe“ wäre ich gestorben“.

Jedem, der auch nur den Hauch einer Ahnung davon hat, welche Macht in der Kraft der Worte und Gedanken steckt, dreht sich dabei der Magen um.

Aber vielleicht sollten wir uns künftig alle an der Nase nehmen und mehr Achtsamkeit bei der Verbreitung vermeintlich „interessanter Nachrichten“ walten lassen.


Oktober 2009
Am Fahrrad

Vor einigen Wochen fuhr ich mit dem Fahrrad spazieren. Mein Weg führte mich hauptsächlich über Bundesstraßen.  Auf dem Fahrrad ist man der Natur ein Stückchen näher. Man bemerkt Dinge, die einem während einer Autofahrt verborgen bleiben. Sinneseindrücke, wie den Duft frisch gemähter Wiesen oder den Geruch des Ackerbodens bekommt man im Auto genau so wenig mit, wie das fröhliche Singen der Vögel.

Aber man sieht auch Dinge, an denen man im Auto achtlos vorbei flitzt.

Mir sind auf einem stärker befahrenen Streckenabschnitt, zwischen zwei Ortschaften, besonders viele kleine Mahnmale aufgefallen. Liebevoll dekoriert, manchmal mit brennender Kerze, aber immer gepflegt. Es war unübersehbar dass diese kleinen Mahnmale eine regelmäßige Betreuung hatten. Allesamt waren es kleine Kreuze, meist aus Holz und nie größer als einen Meter.

Sie standen still neben der Straße unmittelbar neben dem Bankett. Viele von trugen als Inschriften lediglich einen Namen und ein Geburts- und Todesdatum. Oft konnte ich daraus ablesen das hier jemandem gedacht wurde der zum Zeitpunkt des Unfalls noch schulpflichtig gewesen sein muss. Viel zu früh aus dem Leben gerissen.

Meine Gedanken kreisten rund um dieses Thema und ich stellte mir unzählige Fragen dazu. Während ich meine Gedanken schweifen ließ fiel mir zum ersten Mal auf, wie viele Autos, in einem Abstand von manchmal keinen ganzen Meter, mit mindestens 80km/h Geschwindigkeitsdifferenz an mir vorbei fuhren. Und ich bin wahrlich nicht leicht zu übersehen.

Ich stellte mir die Frage ob es den Autolenkern überhaupt bewusst ist was sie dadurch bewirken.

Vielleicht sollten mehrere Menschen mal mit dem Fahrrad spazieren fahren und einfach nur ihre Gedanken schweifen lassen.
Vielleicht fallen ihnen dann auch die hölzernen Mahnmale und die vielen toten Tiere am Straßenrand auf.

Vielleicht gibt es dann doch einige darunter die sich die Frage stellen:
„Wer oder was berechtigt mich eigentlich dazu so unachtsam zu sein?“


September 2009
Am Golfplatz

Vor einigen Wochen war ich bei einem Kunden-Golfturnier einer Bank eingeladen. Das Turnier fand in einem ziemlich teuren noblen Golfclub statt.

Als ich am Vormittag dort ankam fiel mir zuallererst der Parkplatz auf. Die Oberklasse von BMW und Mercedes markierten den unteren Level. Bei einer Teilnehmeranzahl von 120 war der Parkplatz dem entsprechend voll. Ich schätze dass zirka 15 Mio. Euro dort herumstanden.

Gleich beim Eingang, an der Registrierung, bekam jeder als Startgeschenk ein Poloshirt einer deutschen Nobelmarke mit der Bitte um eine Spende für make a wish. Make a wish hat es sich zur Aufgabe gemacht armen bedürftigen und kranken Kindern einen Herzenswunsch zu erfüllen. Irgendwie schämte ich mich ein wenig das ich vergessen vorher hatte den Bankomat aufzusuchen und so nur 20 Euro einwerfen konnte.

Das Turnier war wirklich bestens organisiert. Die Verpflegung inklusive aller Getränke war in der Einladung inkludiert, man musste wirklich den ganzen Tag für nichts selbst aufkommen. Nicht mal sein eigenes Handtuch und Duschgel waren notwendig.

Es störte mich überhaupt nicht das mein, über Ebay gekaufter Schlägersatz wahrscheinlich weniger als die Tasche allein meiner Mitspieler gekostet haben dürfte. Aber mir fiel auf das sich viele der Teilnehmer offensichtlich nur mit dem besten Material zufrieden gaben. Alles in Allem kann man sagen dass ich mich in recht betuchter Gesellschaft befand. Gut so, es sei ihnen von Herzen vergönnt.

Nach dem Turnier war ich etwas verwundert als ich am Parkplatz sah wie Teilnehmer ungeöffnete Getränkeflaschen in ihrem Kofferraum verstauten.

Am Abend stand die Siegerehrung, bei einem sehr feudalen Mahl und erlesenen Weinen am Programm. Dabei kam auch die Repräsentantin von make a wish zu Wort. Sie bedankte sich für die großzügigen Spenden im Ausmaß von 1.440.- Euro!

Das sind im Durchschnitt, bei 120 Teilnehmer, 12 Euro pro Kopf! 12 Euro!
Das ist die Spende an einem Tag der gut und gerne 300.- bis 400.- Euro gekostet hätte, wenn man alles selbst bezahlen hätte müssen!

Jetzt schämte ich mich wirklich!




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